Verlag


Warning: Parameter 1 to modMainMenuHelper::buildXML() expected to be a reference, value given in /www/htdocs/w00aab0d/libraries/joomla/cache/handler/callback.php on line 99

Autoren


Warning: Parameter 1 to modMainMenuHelper::buildXML() expected to be a reference, value given in /www/htdocs/w00aab0d/libraries/joomla/cache/handler/callback.php on line 99

Beyerl, Beppo

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

beyerl_beppo trans

Beppo Beyerl wurde 1955 in Wien/Hadersdorf geboren.

Er studierte Slawistik und Publizistik und lebt seit 1980 als freier Autor in Wien und in Vitis (Waldviertel).

Beppo Beyerl schreibt Reportagen für Wiener Tageszeitungen, verfasst Bücher über die Insassen Wiens und über die Einwohner des Auslandes.

Beppo Beyerl hat eine Fülle von Reportagen über die Donaumetropole verfasst. Keine Stadt hat er öfter beschrieben, häufiger mit kritischem Blick erfasst und ironisch beleuchtet wie die Hauptstadt Österreichs. Keiner Stadt spürt er mit so subtiler Akribie bis in ihre hintersten Winkel nach wie Wien, der Stadt, die seine erste Heimat ist.
Beppo Beyerl »ist kein trockener Chronist mit Beamtenstatus, sondern ein Beobachter persönlichen Anliegens« (Stephan Denkendorf in Podium 151/152 (2009).

Beppo Beyerl beschäftigt sich aber auch in vielen seiner Reportagen mit dem nicht gerade als unbelastet zu beschreibenden tschechisch-österreichischen Verhältnis. Auch in dem Roman Als das Lügen noch geholfen hat spielen die Irrungen und Wirrungen zwischen den beiden Nachbarn eine bedeutende Rolle.
Daran knüpft der Südböhmen als zweite Heimat bezeichnende Schriftsteller in seinem jüngsten literarischen Werk an. Natürlich wird Beyerl die witzig-hinterfotzige Methode, das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Tschechen und Österreicherinnen einem gnadenlosen Verwirrspiel auszusetzen, dadurch erleichtert, dass er auf verwandtschaftliche Beziehungen dies- und jenseits von Thaya und March verweisen kann. Aber eindimensional wird das Leben dadurch nicht. Im Gegenteil…

„Ich habe drei Heimaten“, erzählt er. „Einmal meine tatsächliche Heimatstadt, nämlich Wien, die zweite Heimat ist Südböhmen, und dann folgt der istrische Karst“. Deshalb spricht er wienerisch, böhmisch und garstig.

 



Publikationen in der edition moKKa

* Die alten Leiden der Frau Hermi, 2011
* Wiener Reportagen – Zustände, 2011
* Weinviertel. Wanderungen, Kellergassen, Heurige, 2010
* Wiener Reportagen – Einst & heute, 2008
* Wiener Reportagen – Wege, 2009
* Der Naschmarkt – Wege durch Wiens kulinarisches Herz, 3. Auflage, 2009


Weitere Publikationen (Auswahl)

* Der Hund ist tot. Geschichten aus dem Grätzel, mit Manfred Chobot und Gerald Jatzek, Löcker Verlag, 2012
* Von der Paniglgasse zur Pinaglgasse; mit Rudi Hieblinger. Eine Abschweifung vom Bobo- ins Prolo-Wien, Löcker Verlag, 2010
* Achtung Staatsgrenze, Löcker Verlag, 2009
* Ausg’steckt is’, der Wiener Heurigenführer mit Esprit, Molden Verlag, 2007
* Als das Lügen noch geholfen hat (Roman), Molden Verlag, 2007
* Hüben und Drüben (Geschichten), Verlag Sonderzahl, 2006
* Die Eisenbahn, Verlag Promedia, 2004
* Valentin und Wanda (Kinderbuch), NP Buchverlag, 2003
* Die Benes-Dekrete, Verlag Promedia, 2002



„Die Mischkulanz“

Beppo Beyerl ist ein Flaneur vom alten Schlag,
der detailliert den Ost-Charme Wiens skizziert.
Von Uwe Mauch (Text), Augustin Nr. 254, 3. 6.–16. 6. 2009

Der Be-Be aus Meidling, Jahrgang 1955, damit so alt wie der Staatsvertrag, gehört noch einer Generation an, die nicht x-mal mailen, smsen und mobiltelefonieren muss, um sich zum vereinbarten Zeitpunkt am vereinbarten Ort einzufinden. Ein Anruf, eine Zusage – und der Be-Be ist gestellt.

Zum Beispiel auf der Kennedybrücke. Mit dem 60ergeht es heute wieder einmal raus nach Rodaun. So wie damals, als ihn die Frau Mama noch Bepperl rufen durfte und der Herr Papa nicht Tschechisch mit ihm reden wollte. Die Mama aus dem nahe gelegenen Mauerbach. Der Papa aus Karlovy Vary, dem berühmten Karlsbad. Ein angesehener Holzhändler, der nach dem Kommunistenputsch 1948 seiner Heimat den Rücken gekehrt hatte und der auch auf der Fahrt nach Rodaun keinen Sinn darin erkennen wollte, dem einzigen Sohn eine wildfremde Sprache beizubringen, die doch nur jene Elenden benötigten, die hinterm Eisernen Vorhang bleiben mussten.
„Ich habe drei Heimaten“, eröffnet Beppo Beyerl, während sich unsere Tram durch das mondäne Hietzing schlängelt. Das Wien seiner Mutter und das Böhmen seines Vaters liegen auf der Hand. Dazu gesellt sich noch sein geliebter istrischer Karst, den er schon als Slawistik-Student für sich entdeckt hat. Damals, im alten Jugoslawien, lange bevor die Fischer in der Bucht von Piran völkerrechtliche Wellen schlugen.
Alsdann, ein Lieblingswort des Wiener Wanderers. Auch heute, an der Endstation der Linie 60 in Rodaun, die noch genauso trostlos aussieht wie in seiner Kindheit. Der Beppo kennt den Weg.

„Wege“, so nennt sich auch sein neues Buch, das soeben im Wiener MoKKa-Verlag erschienen ist. Kein Buchtitel passt besser zum Autor als dieser. Kompromisslos folgt er seinem Weg. Immer auf der Suche nach Geschichten. Entlang der Wiener Stadtgrenze. Entlang der alten Grenzen zwischen Ost und West, in Centropa, wie man heute dazu sagt, in Istrien oder in den Bergen südlich von Wien. Überall dort, wo er sich halt zu Hause fühlt. Immer zu Fuß bzw. mit Bim, Bahn oder Bus. Vor dem Franz-Ferdinand-Schutzhaus ruft er aus: „Was brauch’ ich einen Führerschein!“
Seit dreißig Jahren ist Beyerl im Geschäft. Zwölf Bücher und 300 Reportagen hat er seither geschrieben. Viele wurden im „Extra“, der von Thomas Pluch gegründeten Wochenendbeilage der „Wiener Zeitung“, gedruckt. Doch seit dem Rechtsruck in der Chefredaktion der ältesten Zeitung der Welt wolle er nicht mehr mitmarschieren.
Mutter wie Vater wird in seinem Œuvre gleichermaßen Ehre zuteil: Eine Hälfte der Reportagen erzählt von Wien, die andere vom Umland der Zuwanderer. Bewegt er sich durch Wien, ist Beyerl ein Stadtflaneur der alten Schule.

Nichts ist exotischer als unsere Umwelt! Diesem Satz des ehrwürdigen Prager Sozialreporters Egon Erwin Kisch folgt auch der Be-Be. Dabei schreckt er nicht davor zurück, die ganz arge Tristesse des Peripheren bis zur Schmerzgrenze in Worte zu fassen.
Nur mit einem Diktaphon und ausreichend Kartenmaterial ausgerüstet, folgt er stundenlang seiner inneren Eingebung. „Plötzlich wird das Hirn von selbst tätig“, sagt der Schreiber beim Gehen. „Und dann kommen die Ideen – ganze Gedankenketten.“ Jede Kette spricht er auf Band, um sie nicht auf dem Weg liegen zu lassen.
Aufnahmegerät einschalten, Randnotizen festhalten, die Sorgen des Alltags verdrängen. Die Einsamkeit als Wegbegleiter genießen. Auch so eine Kette. „Das ist einer der wenigen Vorteile, die eine Existenz wie meine bietet. Bei mir ist, wie man so schön formuliert hat, die Entfremdung der bürgerlichen Gesellschaft aufgehoben.“

Der Nachteil seiner Existenz: „Weil Arbeits- und Freizeit fließend ineinander übergehen, kann ich eigentlich nie richtig abschalten.“ Seine Frau Eva, eine gelernte und gut beschäftigte Gärtnerin, scheint viel Geduld mit ihm zu haben. „Ich versuche im Gegenzug, ein aktiver Hausmann zu sein, der einkaufen geht und auch kocht.“
Glücklich – ohne Auto. „Als Wanderer“, vergleicht Beyerl in den Hinterwäldern von Rodaun, „weiß ich, wie Himbeeren vor dem Regen und nach dem Regen schmecken. Während der Autofahrer nicht einmal weiß, dass hier Himbeeren wachsen.“

Fragt man ihn im Schutzhaus, beim gemütlichen Verzehr eines Paarls Frankfurter, was ihn an Wien fasziniert, erläutert er begeistert: „Die Mischkulanz. Es mag vielleicht einen reinen Düsseldorfer geben, aber in Wien samma doch alle Zuwanderer.“
Auch den doppelten Boden, den das Wienerische den Schmähtandlern ebenso wie den Schriftstellern bietet, weiß der Beppo zu schätzen. Gewiss, die Arbeit mit einem deutschen Verleger biete mehr Sicherheit. „Mehr Gaudium habe ich allerdings mit jenen, die immer nur sagen, das mach’ ma schon.“

Schade nur, dass ihm der Vater nicht schon als Kind die schwierige tschechische Sprache näherbringen wollte. Was der Bepperl nicht lernte, kann der Beppo nur schwer perfektionieren.

Zurück an der Endstation Trostlos. Der Flaneur nimmt’s nicht schwör. In diesen Tagen wandert er entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Mit dem Diktaphon in der Hand. Gedankenketten fürs nächste Buch sammelnd. Man darf gespannt sein.