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Der rote MerkurIn der Heimat der Fußkranken

Die alten Leiden der Frau Hermi
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Die alten Leiden der Frau Hermi

Preis: € 17,50 (inkl. 10 % MwSt.)

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Die alten Leiden der Frau Hermi
Erzählung

von Beppo Beyerl

ISBN 978-3-902693-28-0
ca. 128 Seiten, gebunden
ca. € 1750

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Informationen zum Buch

Hermine Valticek – Frau Hermi genannt – lebt alt und vereinsamt in einem Wiener Gemeindebau. Abwechslung in ihr Dasein bringen Jiri, von den Grauen Tigern mit ihrer Pflege beauftragt, und Draga, die aus Serbien stammende Putzfrau, die nicht nur die Wohnung aufräumt, sondern auch für das leibliche Wohl sorgt.

Doch die alte Wienerin macht ihren fleißigen Geistern das Leben schwer. Ständig jammert sie über ihre Krankheiten, immer schimpft sie über die »nichtsnutzigen und faulen Ausländer«. Kein Wunder, dass Draga und Jiri auf abwegige Gedanken verfallen, als sie unabhängig voneinander Frau Hermis Sparbuch entdecken.

Beppo Beyerl entwickelt in seiner Erzählung aus den Niederungen des Wiener Gemeindebaus ein satirisches Verwirrspiel um die Einsamkeit des Alters, die Sehnsucht nach einem »besseren« Leben, die Abgründe in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Ausländerfeindlichkeit des Kleinbürgertums, Gier und Neid werden vor einen entlarvenden Spiegel gezerrt, in dem auch die Nöte und Demütigungen von Menschen sichtbar werden, die in Österreich eine Lebenschance und zweite Heimat suchen, jedoch Ablehnung und Diskriminierung finden.

pfeil Rezension

Krimi, Kultur, Kalauer, Krone und Kohle – die alten Leiden der Frau Hermi haben es in sich!

Wenn man die wahre Kultur einer Gesellschaft entdecken will, muss man zu ihren Bewohnern hautnah in die Wohnung kriechen.
Beppo Beyerl fühlt in seiner Erzählung „Die alten Leiden der Frau Hermi“ einer gewissen österreichischen Durchschnittsstimmung auf den Zahn. Die Frau Hermi im Wiener Gemeindebau ist vollgestopft mit Vorurteilen, die sie offensichtlich regelmäßig aus der Krone nachschürt. Da ihr Leben aus Leiden besteht, ist sie auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Sinnigerweise kommen diese Helferinnen und Helfer meist aus einer anderen Kultur, so dass Hermi quasi täglich eine Ausnahme von ihren Vorurteilen machen muss, um diese fremde Hilfe zu ertragen.
In Beppo Beyerls Erzählung treten rund um die Hermi vom Gemeindebau zwei Menschen in Erscheinung, der tschechische Masseur Jíri und die serbische Putzfrau Draga. Sie pflegen Leib und Wohnung der Hermi, müssen sich täglich abstruse Geschichten anhören und träumen von einem beschwerdefreien Leben in ihren Heimatländern.
Zu einem Kriminalfall entwickelt sich die Pflege-Story, als ein Sparbuch mit einer passablen Summe unter einem Zeitungsstoß auftaucht. Als nun auch noch das Losungswort enträtselt ist, entflammt ein Kampf um das Sparbuch. Klauen oder nicht klauen, entwenden und abhauen, einen Teil abzwacken und verschwinden – die Versuchung ist grenzenlos.
Gegen Ende löst sich die Geschichte, wie so oft in österreichischen Biographien, biologisch.
Beppo Beyerl hat vor allem zwei Perspektiven im Auge. Einmal ist es der kulturelle Elchtest, zwischen den Vorurteilen und dem Alltagsbetrieb kommt die Wahrheit zu Tage. Zum anderen ist es die Frage von Identität, Bildung, Gerücht und Aufklärung. Wie kann man eine Geschichte aus dem Gemeindebau authentisch erzählen, ohne als Erzähler nicht selbst korrumpiert und blind zu werden?
Beppo Beyerl löst diesen Wirrwarr elegant. Die Geschichte wird nämlich anhand eines verschenkten Tagebuchs und eines angezapften Mailverkehrs aufgerollt. Mit diesem Trick lassen sich die seelischen Zustände der Helden ungeschminkt darstellen. Und wenn sich der Mensch mit seinem Tagebuch oder der PC-Maus alleine glaubt, lässt er oft wirklich die Sau heraus und spricht die Wahrheit.
In diesen Alltagsbetrieb sind naturgemäß viele Feinheiten und Weisheiten versteckt. Die beiden Kulturfiguren sind hochsensibel in der Fremde als Masseur und Putzfrau gelandet. Wenn bei Jiri die Nerven der Identität blank liegen, liest er meist ein Stück Bohumil Hrabal, und das Absurde lässt sich in Worte fassen. Ebenso ergeht es der Putzfrau Draga, die sich als Übersetzerin in die geheimnisvollsten serbischen Schriften und Rituale versenkt. Als postmoderne Figur soll sie sogar das Buch „Von der Paniglgasse zur Pinaglgasse“ eines gewissen Beppo Beyerl übersetzen.

Helmuth Schönauer 03/01/12

pfeil Leseprobe

Heute Vormittag war ich zum ersten Mal bei der Frau Hermi auf der Zweierstiege. Im Patientenstammblatt, das ich im Büro der Grauen Tiger erhielt, steht in der Spalte »Krankheiten« eigentlich nur Diabetes. In der Spalte »Was ist zu tun?« steht Körperpflege, Massage und allgemeine Hilfe.
Gleich nach der Begrüßung jammerte sie, mir tut alles weh. Ich massierte ihr den Rücken und hob ihr die Kronenzeitung auf, die ihr, wie sie sagte, vom Tisch gerutscht sei. Sie jammerte noch immer. Für ihr Alter ist sie viel zu dick und sie wird bei jeder Gelegenheit hochrot im Gesicht und schnauft wie eine ramponierte Dampflokomotive, wenn sie sich bücken muss.
Zum Abschied sagte sie, jetzt bin ich aber froh, dass ich jemanden wie sie gefunden habe. Dann drückte sie mir ein Billa-Sackerl mit mehreren Weinflaschen in die Hand. Sie sollen auf mein Wohl trinken, meinte sie schnaufend und mit hochrotem Kopf, als sie mir zum dritten Mal die Hand reichte.


Verfügbarkeit

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Lieferbar ab November 2011